Projektarbeit

Der Apfelverein ist ein gemeinnütziger Verein und intediert naturschutzfachliche und landschaftsgestalterische Inhalte und Ideen mittels Öffentlichkeitsarbeit und Bildungsveranstaltung unter die Leute zu bringen. Um dieser Zielsetzung einen gewissen Rahmen zu geben, wurden Jahresprogramme in Form vonProjekten Strukturiert, welche wir mit der finanziellen Unterstützung der BINGO Umweltstiftung durchgeführt haben, bzw. durchführen.

Erstes Projekt:

„Erstinstandsetzung und Bekanntmachung der Streuobstwiesen Gemeinde Lemgow/Woltersdorf, Lüchow Dannenberg“

Projektdauer: Oktober 2017- April 2019

Erstinstandsetzung/ Nachpflanzung:

An erster Stelle stand bei diesem Projekt die Durchführung von Maßnahmen zur Erstinstandsetzung der Streuobstwiesen. Dafür wurden im Nov 2017 und im März 2018 jeweils Obstbaumschnitte durch professionelles Fachpersonal durchgeführt und im November 2017 und Februar 2018 wurden 30 Apfelbäume und 3 Sommerlinden neu gepflanzt (incl Verbisschutz und Wühlmausschutz). All diese Maßnahmen wurden exemplarisch auch unter Einbeziehung und Unterweisung interessierter Menschen und Vereinsmitglieder in Form von Schnittkursen und Pflanzveranstaltungen umgesetzt.

Öffentlichkeitsarbeit/ Bildungsveranstaltungen:

Mit der Gründung des Vereins, der Verteilung von Flyern bei den Anwohnern, sowie der neu durchgeführten Veranstaltungen auf den Streuobstwiesen, sowie der begleitenden Öffentlichkeitsarbeit des Vereins konnten wir für den Erhalt von alten Obstsorten und Streuobstwiesen sensibilisieren. Als Abschluss des Projekts wurden an 6 Stellen Schilder aufgestellt, auf denen naturkundliche Aspekte der Streuobstwiesen in leicht verständlicher Sprache dargestellt werden. So ist nun für alle vorbeifahrenden und vorbeispazierenden Anwohner*innen und Besucher*innen sichtbar, dass es sich bei diesen Flächen um schützenswerte Streuobstwiesen handelt. Durch die Bildungsinhalte auf den Schildern, sowie begleitende Bildungsveranstaltungen mit Fachreferenten konnten wir Fachwissen zu den alten Obstsorten und den Streuobstwiesen als Lebensraum vermitteln. Mithilfe eines gemieteten Dörr-Apparates konnten wir neben der Ernte von Tafelobst und dem Pressen von Saft, eine Verarbeitungsform aufzeigen, die die längere Lagerung von Obst ermöglicht. Da es im Wendland bereits viele Möglichkeiten der Saftpressung gibt und viele Anwohner*innen ihren Saft bereits selber pressen, wollten wir mit dem Dörr-Apparat eine weitere probate Konservierungsform von Obst publik machen.

Zweites (aktuelles Projekt):

„STREUOBST UND KLIMA – Erhalt, Pflege und Bekanntmachung des Lebensraums Streuobstwiese der Gemeinden Lemgow und Woltersdorf in Lüchow/Dannenberg“

Projektdauer: Oktober 2019 – Dezember 2021

Hintergrund für das Projekt

Aufbauend auf dem Projekt des Vereins im Jahr 2018/19 möchten wir folgende Aspekte vertiefen und ausbauen:

  1.  Pflege und Erhalt der Streuobstwiesen und der alten Obstsorten,
  2.  Bildungsarbeit zu den Streuobstwiesen und alten Obstsorten.

Bei den beiden grundlegenden Zielsetzungen haben wir im Verlauf des vorausgehenden Projektes weiteren Förderbedarf festgestellt. So konnten nicht alle Anfragen von Schulen für Bildungsveranstaltungen auf den Streuobstwiesen abgedeckt werden. Zudem sind vielfältige Kontakte und Netzwerke entstanden, durch die weitere Veranstaltungen möglich werden.
Auch bei der Pflege und dem Erhalt der Streuobstwiesen sind uns, neben der Jahr für Jahr nötigen Mahd und dem Schnitt der Bäume, weitere Maßnahmen zur Diversifizierung und Etablierung verschiedener Habitatsmerkmale in den Blick geraten (Totholzhecken anlegen, Heckenpflanzung, Anlage von Wildblumenflächen und Blühstauden als ganzjährige Bienenweide). Außerdem soll – auch im Sinne der CO2-Reduktion und dem Verhindern von Bodenverdichtung durch Trecker-Befahrung der Flächen – versucht werden die Mahd weitestgehend durch Schaf-Beweidung und Sensen der Flächen zu bewerkstelligen.

Zielsetzung des Projekts

Mit dem Projekt zielt der „Apfelverein Lemgow/Woltersdorf e.V.“ auf die nachhaltige und langfristige Sicherung von Streuobstwiesen in der Region ab. Dabei soll vor allem die extensive und naturnahe Nutzung, zusammen mit Einrichtungsmöglichkeiten von diversifizierenden und dennoch standorttypischen Landschaftselementen, sowie das Aufzeigen der Möglichkeiten zur Reduktion von Treibhausgasemissionen dazu beitragen, dass dem Lebensraum Streuobstwiese ein wichtiger und erhaltenswürdiger Stellenwert in unserer Kulturlandschaft beigemessen wird.
Diese Ziele wollen wir durch die Veranstaltung entsprechender Bildungs- und Öffentlichkeitsveranstaltungen, sowie Ermöglichung gezielter Weiterbildungsmaßnahmen für engagierte Vereinsmitglieder erreichen.

Inhalt des Projekts

a.      Pflege- und Strukturverbesserungsmaßnahmen

Bei den Pflegemaßnahmen steht vor allem der Pflegeschnitt der älteren Apfelbäume im Vordergrund. Durch die extremen Sommer in 2017 (extrem nass) und 2018 (extrem trocken) haben viele der älteren Bäume scheinbar signifikante Teile ihrer Feinwurzeln eingebüßt, was sich entsprechend in einer auffällig hohen Kronenmortalität wiederspiegelt. Hier sollen die Kronen durch sukzessiven aber deutlichen Rückschnitt über den Zeitraum von drei Jahren eingekürzt werden, damit die Bäume wieder durchweg gesunde Kronen ausbilden können. Außerdem soll jedoch auch Stehendes Totholz in größerem Umfang erhalten bleiben, da dies auch wichtigen Lebensraum für Nützlinge und einer Vielzahl anderer Insekten dient. Aus dem rutendicken Schnittgut sollen dann wiederum vereinzelt dichte Benjeshecken angelegt werden, welche wiederum Brut- und Schutzraum für diverse Vögel, Insekten und kleine Säugetiere darstellen. Mit Stärkerem Holz sollen, wie bereits schon vereinzelt geschehen, Totholzhecken entstehen. Statt das im Holz gespeicherte CO² durch die energetische Nutzung, sprich Verbrennung, rasch der Atmosphäre zuzuführen, bleibt es bei der Zersetzung durch Bodenorganismen deutlich länger gebunden und bietet darüber hinaus wieder Schutzraum für Asseln, Spinnen und mitunter größere Säugetiere, wie Hermelin und Baummarder.
Ein weiterer sehr zentraler Punkt unter dem Aspekt Pflege, sind nachhaltige Bodenverbesserungsmaßnahmen. Aufgrund der mitunter jahrzehntelang andauernden landwirtschaftlichen Nutzung der Böden, oder Umnutzungsvorgängen durch Flurbereinigungsmaßnahmen vor Einrichtung der Streuobstflächen, finden wir vielerorts starkverdichtete und enthumifizierte Böden vor. Die Hauptbodenarten in der Region sind Gleye (Auenböden mit hohem Lehmanteil, welche nicht selten stark durch Verdichtung gefährdet sind) und Braunerden (durch Huminverlagerung und Auswaschungsvorgänge podsolieren diese rasch). Trotz nomineller Standorteignung für Obstbäume sind hier nur sehr erschwerte Anwuchs- und Ausbreitungsmöglichkeiten für das Wurzelwerk gegeben, da Nährstoffe und Wasser in zu geringem Umfang zur Verfügung stehen. Die Obstgehölzpflege und neupflanzungsmaßnahmen sollen mit etwa 60% der beantragten Honorargelder finanziert werden und Mahd und Beweidungsaufwand, sowie  Bodenverbesserungsmaßnahmen mit den übrigen 40%.
Wir wollen durch die Anlage von Baumscheiben und das Ausbringen von Leguminosen und anderen natürlichen Fertilisatoren, zur Auflockerung und Humusanreicherung verdichteter und podsolierter/versandeter Böden beitragen. Außerdem wollen wir an diversen Stellen „Schonstreifen“ anlegen, auf denen das Befahren mit schwerem Gerät unterlassen wird und stattdessen manuell, sprich mit der Sense, durch Schafsbeweidung und mit Handkarren gearbeitet wird. Der Viehweide soll eine ohnehin größere Rolle in der Flächenbetreuung und dem Strukturaufbau zuteilwerden.  Bei der extensiven Beweidung mit Weidetieren können sowohl bedeutende Mengen CO² zusätzlich nachhaltig gebunden werden, ohne dass kraftstoffbetriebene, motorisierte Mahdtechnologie angewendet werden muss. Des Weiteren tragen die Abscheidungen des Viehs bei richtiger Beweidung zum allgemeinen Humusaufbau bei. Wir sind auch im Gespräch Kooperationen mit Nutztierarchehöfen aus der Region und somit die Förderung von Genorassen zu Initiieren. Uns ist es auch ein Anliegen, weiterhin einen Teil der Flächen ungemäht zu belassen um gefährdeten Insektenarten  einen Rückzug und Habitatstandort bereitzustellen, auf dem sich  die dafür notwendigen, speziellen Futterpflanzen entwickeln können. Das Ausmaß dieser Schonflächen soll ca. 10% der Flächengröße betragen.

Bei der Anlage von Hecken soll darauf geachtet werden, dass ausschließlich autochthone Arten aus zertifizierten Baumschulen verpflanzt werden. Hier steht die strukturelle Abgrenzung zu großen, landwirtschaftlichen Schlägen im Vordergrund, auf denen nicht-naturverträgliche Dünge- und Schädlingsbekämpfungsmittel zum Einsatz kommen. Hier entwickeln sich wichtige Lebensräume und Nahrungsquellen für unterschiedlichste Tier- und Pflanzenarten. Aufgrund der hohen Kronenmortalität auf einigen Streuobstflächen sollen zudem standortangepasste Apfel- und andere Obstsorten nachgepflanzt werden, so es denn die Fruchtfolgesituation hergibt.

a.      Bildungsarbeit und Öffentlichkeitsveranstaltungen

Der Apfelverein Lemgow/Woltersdorf hat sich zum Ziel gesetzt, die Nutzung von Streuobstwiesen in der Region zu kultivieren und durch Quervernetzung von unterschiedlichen Akteuren in diesem Bereich zu stärken. Wir intendieren unsere Arbeit und Initiative einer größeren Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, als bislang geschehen. Indem wir vermehrt auf Bauernmärkten, Weihnachtsmärkten, Obsttagen etc. Präsenz zeigen, erhoffen wir uns einen stärkeren Austausch mit Interessierten und ExpertInnen herzustellen. Für unsere Veranstaltungen und teilweise auch für die Seminare benötigen wir einen wetterfesten Pavillon.
Engagierte Mitglieder in unserem Verein sollen die Möglichkeit bekommen ihre Expertise in Bereichen der theoretischen Bildungs- und der praktischen Pflegearbeit rund um den Streuobstbau zu vertiefen. Hierdurch soll der Verein an Glaubwürdigkeit und Kompetenz gewinnen, sowie für die Bildungsveranstaltungen langfristig gut aufgestellt sein.
Darüber hinaus ist es uns ein Anliegen, in Zeiten zunehmender Ressourcenausbeutung durch kulturlandschaftliche Übernutzung, die Bewohner und Bewirtschafter für einen ökologisch nachhaltigen Umgang mit ihren Lebensgrundlagen (Boden, Klima, Wasser, Luft) zu sensibilisieren. Diesbezüglich haben wir für dieses Projekt Kurse und Veranstaltungen mit entsprechenden thematischen Schwerpunkten geplant. Hier sollen umweltschonende Nutzungsmethoden und vor CO²-neutrale Mobilität Berücksichtigung finden.